Montag, 7. Mai 2007

ORF-reform

die österreicher sind wahrscheinlich das unflexibelste volk der welt. und sie lieben es zu jammern, anstatt lösungen zu suchen. am liebsten jammern sie über das wetter, die politik, das fernseh-programm. und besonders verhasst ist ihnen jedewede form von veränderung.

zugegeben, die ORF-reform hat ihre schwächen. aber die art und weise, wie "krone", "österreich" und "TV-media" derzeit eine krise des staatsfunks heraufbeschwören ist unfair und überzogen.

was bitte wurde denn erwartet? dass bei so kurzer planungszeit und so knappem budget bei einem unternehmen auf sparkurs der geniale große wurf herauskommt, ist illusorisch.

vor allem, es ist bei weitem nicht alles so mies, wie derzeit behauptet wird. da heißt es gleich, die ganze reform ist gescheitert, nur weil "mitten im achten" und "heute in österreich" schlechte quoten haben. was dabei untergeht: die "ZiBs" sind hervorragend gelungen. schienen wie "art.film", "euro.film" und "dok.film" sind sehr begrüßenswert. "kreuz & quer", eine der besten sendungen im ORF erhält endlich eine frühere sendezeit. "die liebe familie NG" und "wir sind kaiser" sind großartig geworden, frisch und saukomisch. und das magazin "wie bitte" ist ebenfalls sehr gut, nur vielleicht zur falschen sendezeit. möglicherweise würde es sogar am sendeplatz von "MI8" besser laufen als jenes. und "weeds" ist eine der genialsten serien, die ich je gesehen habe.

das problem ist halt, "MI8" ist sauteuer. es verschlingt 2/3 des reform-budgets. aber dass es nicht funktioniert, ist keine große überraschung. erklärtes ziel der soap sollte es sein, junge zuseher um diese uhrzeit zum ORF zurück zu bringen. aber ob eine daily soap dazu wirklich geeignet ist? jene "jungen" sind wohl generell um 19.30 eher selten zuhause und wohl auch nicht an einer soap interessiert, die man täglich sehen muss, weil man sich sonst nicht mehr auskennt. wer bisher um diese zeit "galileo", "GZSZ", "verliebt in berlin", "big brother", "hi society" oder "sponge bob" gesehen hat, wird das wohl auch weiterhin tun. ich selbst hab nur die erste folge von "MI8" gesehen. es ist ganz witzig, aber für mich nicht gut genug, dass ich dafür auf die "ZIB" verzichten würde. ich bin auch nicht der typ, der sich soaps reinzieht und interessiere mich eben für die tagesnachrichten. "mitten im achten" ist gar nicht so übel, aber vielleicht hat es die falsche sendezeit.

ein anderes problem sind "heute in österreich" und "konkret" als nachfolge-sendungen von "willkommen österreich". "WÖ" war sehr erfolgreich, richtete sich aber ein konservativeres, älteres publikum, das durch die neuen formate weniger angesprochen wird. warum etwas das gut funktioniert so ändern, dass man die zuseher vor den kopf stößt?

wie gesagt, es gibt probleme. aber es nicht gleich alles total mies geworden.

besonders gewundert habe ich mich über den plötzlichen sinneswandel von "TV-media" chefredakteur atha athanasiadis. so schrieb er in der ersten ausgabe nach dem 10. april:

"und? wie gefällt ihnen mitten im achten? schon reingeschaut? nein? tun sie's! (...) ich müsste mich schon sehr wundern, wenn das ding nicht ein erfolg wird. die junge schauspielcrew agiert, als hätte sie in ihrem leben nichts anderes getan, also vor einer kamera zu stehen. sie sind nettt, witzig, zum verlieben. die perfekte besetzung."

und in der aktuellen ausgabe, heißt es auf einmal

"superalex, tu was!"

"ist der ORF noch zu retten?"

"zu wienerisch, zu viel sex und derber schmäh. dazu teils unerfahrene jungschauspieler, die - ohne lnage proben - in eine technisch unausgereifte produktion gehetzt wurden"

"nach dem ende von dancing stars fehlt dem ORF ein großer quotenträchtiger showevent. bitter: neue serien- und showprojekte sind erst für herbst eingeplant."


- no na, das ist auch ganz normal in der branche. weil im sommer generell fast niemand fern sieht!

und athanasiadis schreibt im editorial:

"es kann ja wohl nicht wahr sein, dass das, was wir gerade sehen, das beste ist, was am küniglberg zusammengebracht wird."

es kann ja wohl nicht wahr sein, dass man seine meinung innerhalb von zwei wochen um 180 grad dreht und den leser für so dämlich hält, dass ihm das nicht auffällt? oder aber denkt der chefredakteur eines der auflagenstärksten magazine des landes, dass sein editorial ohnehin niemand liest? da stimmt dann aber auch was nicht.

es kann auch nicht sein, dass man über sendungen, die zum teil erst 1-2 mal gelaufen sind, schon jetzt ein endgültiges urteil fällen kann. gut ding braucht weile, auch beim fernsehen. schon jetzt zu behaupten, wrabetz wäre komplett gescheitert, ist weder fair noch entspricht es der wahrheit.

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